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13.02.2012

Düsseldorf - schick, nicht schicki-micki

INTERVIEW Unternehmensberater Gerd Kerkhoff über das „Dorf“ in Düsseldorf, die städtische Kampagne gegen das Schicki-Micki-lmage der Stadt, die Vorzüge gegenüber Berlin und die lebendige Community der Düsseldorfer Wirtschaftsszene.

Herr Kerkhoff, Sie stammen aus Essen, haben aber Ihre Unternehmensberatung in Düsseldorf. Warum?
Kerkhoff Früher war Düsseldorf vor allem die Stadt der Werbeleute, der Kreativen, der großen Agenturen. Hier sitzt zum Beispiel Grey, da hatte ich mich als junger Mann mal beworben. Heute ist Düsseldorf die Stadt der Berater. Es gibt kaum eine Stadt, in der so viele Unternehmensberatungsfirmen sitzen. Also bin auch ich hier. Es ist vor allem die Lage Düsseldorfs mitten im wirtschaftlichen Herzen Deutschlands. Meine Kunden sind sowieso bundesweit gestreut. Durch den Düsseldorfer Flughafen komme ich nonstop überall hin.


Köln ist die mit Abstand größere Stadt. Warum sind Sie nicht dorthin gegangen?
Kerkhoff Köln stand für mich nicht zur Wahl. Für mich als Kind des Ruhrgebiets war Düsseldorf immer das Sinnbild der Großstadt. Wenn meine Eltern aus Essen zum Großeinkauf fuhren, dann ging es hier her. Das hat mich geprägt. Es ist vor allem eine persönliche Sache. Als ich noch Junggeselle war bin ich auch schon lieber in Düsseldorf ausgegangen als in Köln. Wenn ich aus New York oder London zurückkomme, dann habe ich ein richtiges Heimatgefühl, wenn ich hier lande.


Das sind alles weiche Faktoren…
Kerkhoff Sind es nicht. Die Düsseldorfer Lebensqualität, die Schönheit der Stadt mit der Nähe zum Grünen ist ungeheuer wichtig, um die klügsten Köpfe anheuern zu können. Düsseldorf ist ein Recruiting-Standort.
Wie haben es versucht: Nach Ostwestfalen locken Sie keinen Top-Unternehmensberater.


Aber ist Düsseldorf wirklich so attraktiv wie München oder Hamburg?
Kerkhoff Definitiv. Düsseldorf kann sowohl Hamburg als auch München das Wasser reichen, was die Lebensqualität angeht. Einzig Berlin ins für einige junge Leute attraktiver. Aber Berlin oder London, das sind Städte, die auch durch ihre schiere Größe weniger Charme haben. Düsseldorf ist überschaubar geblieben.

Weniger Größe oder Überschaubarkeit einer Stadt – das würden Kritiker wohl spöttisch als Provinzialität bezeichnen?
Kerkhoff Ganz klar ins das „Dorf“ in Düsseldorf etwas Positives. „Dorf“ heißt ja auch eine funktionierende Community. Man kennt sich in der Stadt, und das ins wichtig fürs Privatleben und für den Beruf. Junge Leute gehen im Sommer auf die Ratinger und treffen ihre Freunde auf der Straße ohne sich vorher zu verabreden. Ich gehe in meinem Lieblings-Italiener in der Altstadt oder eben zum Ständehaustreff oder in den Industrieclub. Düsseldorfs Community funktioniert hervorragend.


Trotzdem wird Düsseldorf von vielen als schicki-micki wahrgenommen. Was ist dran?
Kerkhoff Ob Düsseldorf schicki-micki ist oder nicht, hängt ganz allein von der Frage ab, wo man gerade herkommt. Auf die Menschen aus Bochum, Essen, Herne oder Recklinghausen wirken die typischen Düsseldorfer nun mal so, wenn sie wie ihren dicken Autos und den teuren Klamotten über die Königsallee ziehen. Kommt man aber aus einen Metropole, London oder New York, dann wirkt Düsseldorf nicht mehr so schicki-micki, wie manchmal angenommen. Düsseldorf ist nicht schicki-micki, Düsseldorf ist schick. Die schickste Stadt des Ruhrgebiets könnte man sagen, auch wenn Düsseldorf natürlich im Rheinland liegt.


Die Stadt versucht mit einer großangelegten Imagekampagne unter dem Slogan „Düsseldorf ist schicki-micki_Düsseldorf ist mehr“ gegen dieses Image anzugehen. Ist das richtig?
Kerkhoff In einigen Städten des industriell geprägten Ruhrgebiets steht das Image der Düsseldorfer wirklich nicht zum Besten. Wenn Sie da mit einem Düsseldorfer Kennzeichen vorfahren, dann werden Sie schief angeguckt. Eine Kampagne, die dienen Ruf relativiert, begrüße ich sehr.

Aber wäre es nicht eine Option, mit dem schicki-micki Image selbstbewusst umzugehen oder zu werben?
Kerkhoff Das ist eine Option. Denn dir Königsallee und ihre edlen Läden ziehen die Menschen aus der ganzen Region nach Düsseldorf. Schauen Sie sich die Nummernschilder der Autos an, die samstags auf der Kö parken. Da ist kaum noch ein Düsseldorfer drunter. Die Kunden kommen aus Bochum, Essen, Dortmund und Co. Die Menschen aus dem Ruhrgebiet fahren zum Shoppen lieber an den Rhein als in ein Einkaufscenter in einer Kleinstadt wie Recklinghausen.

Die Wehrhahn-Linie soll die Stadt attraktiver machen. Der Hauptsitz Ihrer Firma ist an der Elisabethstraße, die Baustelle für die U-Bahn haben Sie direkt vor der Nase. Stört Sie das?
Kerkhoff Ich bin nicht der Typ, der sich durch so was stören lässt. Und die gute Infrastruktur, auch die neue Wehrhahn-Linie waren ein wichtiger Grund, warum ich mir meiner Firma nach Düsseldorf gekommen bin.


Profitieren Sie auch von Kunden aus der Landeshauptstadt selbst?
Kerkhoff Wir hatten bereits mehrere Mandate vor Ort, unter anderem die Stadtsparkasse, die Lindner Hotelgruppe sowie die Druckerei Bagel. Da freuen sich unsere Berater, wenn sie mal nicht in fremden Betten schlafen müssen, sondern in ihrer Heimat arbeiten können.


Was muss Düsseldorf tun, um als Wirtschaftsstandort attraktiv zu bleiben?
Kerkhoff Viele Menschen im Ausland kennen die Stadt Düsseldorf, denn viele Geschäftsleute kommen von hier. Ein Bild der Stadt haben sie aber nicht im Kopf. Darum denke ich: Düsseldorf muss sein internationales Profil schärfen, um hinter den großen vier Millionenstädten Deutschlands nicht zurückzubleiben. Dazu reicht eine nationale Imagekampagne, wie etwa „Dein.Düsseldorf“ nicht aus. Die Präsenz Düsseldorfs im Ausland muss deutlich gestärkt werden. Nicht kleckern, klotzen. Düsseldorf braucht sich nicht zu verstecken.


Thorsten Breitkopf führte das Gespräch

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